Heute wollen wir uns wie angekündigt drei weitere Krankheiten anschauen, die immer wieder in den Einrichtungen zu finden sind. Zwei davon sind kein Grund, dass Kind nicht zu schicken, die dritte sorgt immer wieder zu kleineren Epidemien in Kindertagesstätten.

Windeldermatitis – Ein ständiger Begleiter in der Krippe

Windeldermatitis oder auch Windel-Soor genannt ist tatsächlich in jedem Kita – Jahr immer wieder bei Kindern ein Problem. Vorrangig in der Krippe, doch auch Kita – Kindern sind auch mit „höherem“ Alter betroffen. Leider führt gerade dieses Thema auch häufig zu Diskussionen zwischen Fachkräften und Eltern. Der Windelbereich ist definitiv auch ein sensibles Thema und Eltern fühlen sich schnell auf den Schlips getreten, wenn sie auf eine Entzündung in diesem Bereich angesprochen werden.

Die richtige Windel machts?

Natürlich kann ich auch bei diesem Thema nur aus eigener Erfahrung sprechen und keine Windelexpertise geben. Die Beschaffenheit der Windel ist bestimmt mit ausschlaggebend und sollte bei einer entstehenden oder entstandenen Windeldermatitis definitiv betrachtet werden. Weil die entzündete Haut extrem schmerzempfindlich ist, quittieren viele Kinder das Windelwechseln mit lautem Weinen. In dieser Phase ist besonders sanfte Pflege entscheidend, um die Belastung für das Kind so gering wie möglich zu halten. Ja und dabei ist es sehr von Vorteil auch einmal die Windelsorte zu wechseln oder teilweise tritt der wunde Po auch erst auf, weil mal die Windelsorte gewechselt werden musste. Dann also wieder fix die Windelmarke organisieren, womit das Kind keine Probleme hatte.

Pflege – Auch in der Kita?

Die Pflege ist das A und O bei Windeldermatitis. Häufiges Windelwechseln, beruhigende Cremes (angepasst an das Kind) und am besten immer wieder windelfreie Zeit schaffen in der Regel schnell Abhilfe. In dieser Phase ist konsequentes Handeln gefragt – die Windelkosten müssen zugunsten der Heilung schlichtweg hintanstehen. Wenn der Po so wund ist, dass das rohe Fleisch zu sehen ist, ist ein Gang zum Kinderarzt unumgänglich. Die Kinder haben große Schmerzen, und der Arzt kann schmerzlindernde Sitzbäder sowie Cremes verschreiben. In der Kita kann dann in Absprache mit den Mitarbeitenden die entsprechende Creme genutzt werden. Wenn es eine verschreibungspflichtige Creme sein muss, solltet ihr ein Attest vom Kinderarzt abgeben, damit die Kita auf der sicheren Seite ist. In der Regel weist die Einrichtung aber auch selbst darauf hin

Bindehautentzündung: Wenn das Gesundheitsamt die Regeln ändert

Letztes oder vorletztes Jahr gab es eine große Diskussion, weil das Gesundheitsamt in unserem Landkreis die Bindehautentzündung „heruntergestuft“ hat. Seither dürfen Kinder die Kindertagesstätten auch mit Infektion besuchen. Zuvor galt die Regel: Rückkehr erst nach vollständigem Abklingen der Symptome. Plötzlich kursierte ein Flyer, der den hygienischen Umgang mit eitrigem Ausfluss in der Kita beschrieb und Eltern darauf hinwies, dass eine Bindehautentzündung kein Ausschlussgrund mehr sei. Die Einrichtungen wurden vorab jedoch nicht informiert – für alle Beteiligten eine wirklich unzufriedenstellende Situation.

Das Gesundheitsamt blieb bei seiner Empfehlung, trotz der Hinweise der Kitas, dass sie vor Ort nicht unterscheiden können, ob es sich um eine infektiöse Bindehautentzündung oder einen harmlosen „Augenschnupfen“ handelt. Für Eltern und Mitarbeitende ist es seither ein Drahtseilakt zu entscheiden, ab wann ein Kind aufgrund der verklebten Augen dem Kita-Alltag nicht mehr folgen kann.

Ab wann bleibt das Kind trotzdem Zuhause?

Für meine Mitarbeitenden ist klar: Sie müssen keine dauerhaft verklebten Augen säubern. Im Kita-Alltag ist das schlicht nicht leistbar. Bei einem schweren Verlauf verkleben die Augen innerhalb weniger Minuten mit gelb-grünlichem Sekret. Oft ist auch das Allgemeinbefinden gestört. In solchen Fällen ist für mich als Leitungskraft klar, dass das Kind abgeholt werden muss. Dabei diskutiere ich nicht mit den Eltern, sondern verweise an den Augenarzt. Meist erfolgt spätestens am nächsten Tag der Anruf der Eltern: Der Arzt hat das Kind krankgeschrieben. Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass eine Gruppe nach einem Ausbruch vorübergehend schließen muss – weil sich die Fachkräfte angesteckt haben. Diese werden nämlich im Gegensatz zu den Kindern krankgeschrieben und dürfen mit einer Infektion nicht in der Einrichtung arbeiten.

Fazit: Pädagogik vor Bürokratie – Das Kindeswohl zählt

Die Entscheidung des Gesundheitsamtes mag auf medizinischen Statistiken beruhen, doch der Kita-Alltag folgt einer eigenen Logik. Eine Bindehautentzündung ist für das betroffene Kind schmerzhaft, schränkt die Sicht ein und beeinträchtigt das Wohlbefinden massiv. Wenn ein Kind nicht mehr aktiv am Geschehen teilnehmen kann oder die intensive Pflege den Personalschlüssel sprengt, ist die Grenze erreicht.

Mein Appell an alle Eltern: Schaut nicht nur auf die Infektionsschutz-Tabelle, sondern auf euer Kind. Ein Kind mit eiternden, verklebten Augen gehört nicht in den Trubel einer Gruppe, sondern in eine reizarme Umgebung zur Erholung. Letztlich schützt ein Tag Ruhe zu Hause nicht nur die Fachkräfte vor dem Ausfall, sondern schenkt eurem Kind die Genesungszeit, die es braucht.

Hand-Mund-Fuß-Krankheit – Der Krippenendgegner

Ungefähr zweimal im Jahr, meistens im Frühjahr und im Herbst, rauscht die Viruserkrankung Hand-Mund-Fuß durch die Einrichtungen. In der Regel ist es eine Krankheit mit harmlosen Verlauf. Etwas Fieber, Halsschmerzen und die typischen Pusteln an Händen, Mund, Füßen und häufig auch im Windelbereich lassen Kinderärzte schnell eine Diagnose treffen.

Die Krux mit den Meldungen

In Niedersachsen ist es so, dass ab dem 5. Infektionsfall in einer öffentlichen Einrichtung eine Meldungen beim Gesundheitsamt erfolgen muss. Dort werden die Kinder und Erwachsenen gemeldet und man telefoniert in der Regel kurz mit dem Zuständigen Mitarbeiter. Tatsächlich fragt man sich in diesen Fällen warum man dieses macht. Es gab tatsächlich erst einmal den Fall, dass der Mitarbeiter in die Einrichtung gekommen ist und über das vorhandene Hygienekonzept gesprochen hat. Die Fälle werden notiert und es wird gute Besserung für alle Beteiligten gewünscht. Bei Hand-Mund-Fuß kommen meistens schnell 5 Fälle zusammen, weil die Inkubationszeit kurz- und der Virus hochansteckend ist. In der Regel haben die Kinder allerdings meistens nur einmal Hand-Mund-Fuß.

Rückkehr in die Kita

Große Diskussionen gibt es leider immer wieder über den Zeitpunkt der Rückkehr in die Kita. Einhellige Meinung ist, dass das Sekret aus den Pusteln hochinfektiös ist. Leider kann dadurch auch eine längere Phase des Zuhause-Seins entstehen. 14 Tage war einmal die längste Zeit die eine Mitarbeiterin Zuhause bleiben musste, weil immer wieder neue Pusteln entstanden sind und sich am Ende die Fußsohlen und Handflächen abgeschält haben. Dieses sind allerdings schwerere Verläufe, von denen Kinder nur selten betroffen sind.

Krankheiten – Fazit

Insgesamt wünsche ich mir einen verantwortungsbewussten Umgang mit Krankheiten in der Kita. Ich wünsche mir, dass Eltern anerkennen, dass Mitarbeitende nicht grundlos anrufen und ich wünsche mir Personal, dass keine negative Grundhaltung Eltern gegenüber hat.

Ich möchte daran glauben, dass kein Elternteil sein krankes Kind mit voller Absicht in die Kita bringt. Tatsächlich bin ich mir sicher, dass Eltern in Fällen wo dieses vorkommt, dass Gefühl haben keinen anderen Ausweg zu haben. Sei es durch einen nicht verständnisvollen Arbeitgeber oder durch selbstgemachten Druck etwas nicht zu schaffen.

Die schwierigsten Situationen in den Einrichtungen sind Erbrechen und Durchfall. Immer wieder kommt es vor, dass Kinder sich übergeben oder mehrfach Durchfall haben. Zuhause, dann aber auf wundersame Weise symptomlos sind. Wie sollen Mitarbeitende reagieren? Wie soll eine Fachkraft wissen, dass es kein Magendarm Infekt ist und wie soll eine Leitung darauf reagieren? Es kann darauf nur eine logische Antwort geben. Viele Einrichtungen haben zum Glück mittlerweile eine Anlage zum Betreuungsvertrag die den Umgang mit solchen Symptomen regelt. Wünschenswert wäre allerdings, dass Eltern nicht über die dort niedergeschriebenen Zeiträume diskutieren würden. Wir in den Einrichten sind kein medizinisches Personal und können nur nach den Weisungen des Betriebsarztes oder dem Gesundheitsamt handeln. Diese haben die Zeiträume festgelegt und an die Einrichtungen weitergegeben.

Zuhause Fit, heißt nicht immer Kitatauglich

Das ist leider ein Phänomen, was wir in den Einrichtungen immer wieder beobachten. Die Kinder sind im häuslichen Umfeld, laut der Eltern, fit und munter. Sie essen gut, husten kaum, die Nasen läuft nur wenig und sie sind gut drauf. In der Kita sieht das meistens, leider nach spätestens 2 Stunden, komplett anders aus. Sie Husten stark, die Nase läuft grün/gelb und die Kinder wirken erschöpft und abgeschlagen. Es wird vergessen, dass so ein Kita-Alltag einfach anstrengender und aufregend ist. Die Kinder haben noch nicht die Weitsicht um sich selber zu schonen und schaffen den Kita-Alltag eigentlich noch nicht. Leider stößt diese Rückmeldung nur selten auf positive Ohren, sondern in der Regel auf Unverständnis und Unwillen.

Offensichtlich wäre eine positive Grundhaltung von beiden Seiten eine wünschenswerte Entwicklung. Kranksein – immer wieder ein Diskussionspunkt in vielen Kindertagesstätten Deutschlandweit.


Eine Antwort zu „Vom Krank sein in der Kita – Fortsetzung“

  1. Avatar von Monika Schulzig
    Monika Schulzig

    Thema : Windeldermatitis- bei Sven habe ich herausgefunden, das er auf die „gute Creme — Penatencreme“ allergisch war. Da hatte ich schon fast ein Jahr mit Mullwindeln / Schafwollhöschen gearbeitet . Es hieß immer-,er wäre auf die „Pampers und Fixies“ allergisch. Also auch die sogenannten Pflegeprodukte müssen beobachtet werden!

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